Clubby Sounds und ein Kaffee…

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Pamphlet für oder gegen die jungen Menschen?

Da sitzen sie, die jungen und hübschen Menschen, umschwirrt von seichterer Chilloutmusik. So von der Ferne betrachtet ist ab und zu ein kleineres Lächeln zu hören. Aber nicht zu laut bitte, denn das wäre ja ganz doll uncool. Gleich der Musik scheint’s, daß sich die Jugend in der Bedeutungslosigkeit sehr wohl fühlt. Eine Diskusion ist ein unbekanntes Ding, keine Meinung, keine Emotion, kein Drang etwas zu verändern. Man begnügt sich mit stilvollem Smalltalk

– Folge dem Hasen!

Ab und zu ein nettes Telefonat mit dem obligatorischen Handy macht so und so jede Konzentration auf ein Thema sinnlos. Tut aber auch gut, dieses Nichtdenken, Nichtfühlen, bloß nicht beteiligt sein. Ich mache mir Sorgen, ob diese Schickfressen jemals in der Lage sein werden, authentisch zu entscheiden. Mit jedem verwirrten, weil intelektuell und
fühlend überforderten Blick sehe ich meine Rente den Bach runter gehen.
Und so wird klar, daß es keinen Generationenvertrag mehr gibt.
Falsch: daß dieser Gedanke eines Für- und Miteinanders seit je her illusorisch ist. Traurig ist dabei vor allem, daß die Anzahl der Jugendlichen und Jungmenschen abnimmt, die überhaupt noch einen Gedanken zu Ende denken wollen, von Fühlen ist schon gar keine Rede mehr. Jedenfalls sehe ich keine Anteilnahme an dem scheinbar armen Zeitungsverkäufer, der in der Leopoldstrasse sitzt. Etwas Stirnrunzeln – die im Vergleich zur restlichen Gesichtsschautragung wahre Eruption von Gefühl, das ist das einzige sichtbare Produkt eines wie auch immer gearteten Fühl- und Denkprozesses hinter gehübschten Augenbrauen (weiblich) und trainierten Armmuskeln (männlich). Einen wahren Blick sehe ich hier nicht, eher das Abscannen und Abhaken von Klischees der vor leerem Hintergrund vorbeirauschenden Menschenbilder an den Wänden der jungedeutschen
leeren Gehirnschale.

Richtig, schicker sind die jungen Leut als zu meiner Zeit, legen viel mehr Wert auf das Äußere und Gepflegtheit. Doch ich frage mich was das bringt, wenn man sich nicht kümmert um die anderen, die Fremden. Das Hemd ist näher ans Ich gerückt und damit sind alle anderen, fremden, andersartigen umso weiter weg vom Herzen. Anteilnahme beschränkt sich auf die Bemitleidung der Unmodigkeit oder Übergewicht, und das auch
nur, wenn’s dem Anderen offensichtlich schlechter geht als einem selbst. Schade, daß diese vertrackte Art der Fremdbestimmung so allgemein geworden ist, daß das eigene Ich vor lauter Aussenvergleich zu einem kleinen, harten und traurigem Rest verkommt.

Nun kann man ihnen einfach die Schuld geben, diesen dekadentierten, ego- und aussenerzogenen Nichtsdenkern, den Allesakzeptierern, Durchwurstlern, kalten, kalten, dummen jungen Menschen.

Doch: wo haben sie dieses Verhalten gelernt? Wer hat damit begonnen?
Wer hat ihnen beigebracht, daß Nichtteilnehmen besser ist als mitzumischen?

Natürlich stellt sich die Frage des Determinismus (und hier nun scheidet sich die Spreu vom Tod), ob man selbst- oder fremdbestimmt sei (der geneigte Leser beachte, daß eine solche Formulierung üblicher- und gegensätzlicherweise im grammatikalischen Passiv stattfindet:-). Und mal abgesehen von der momentanen akademischen Diskussion über neueste sogenannte Erkentnisse (die doch nur Beobachtungen sind) über die Tiefe
der physischen Bestimmung der Psyche: jeder Mensch (als Einheit von Körper, Verstand und Gefühl) handelt immer nur zum eigenen Zweck, zum eigenen Positiven hin. Egal, ob von aussen oder innen: alles was ich tue, mache ich für mich, damit ich mich – nach meinem eigenen Maßstab – besser fühle. Und dies gilt auch für die jungen Menschen,
die ich gerade beobachtet und bewertet habe.

Also höre ich jetzt auf mit der gequirlten Scheisse von Schuldzuweisung an dritte (die Jugendlichen) und übernehme die Verantwortung, stellvertretend für die sogenannten Erwachsenen meiner Generation – und sogar noch für die meiner Eltern! Was haben wir gemacht, damit die Welt und die Jugend darin nun so ist wie sie ist? Einfach gesagt: wir haben damit angefangen! Wir haben gezeigt, daß solche eine ichzentrierte, respektlose Einstellung Sinn macht und Erfolg bringt.

Das Muster ist ganz einfach: ich traue mich nicht mehr, meine Werte anderen zu erklären, sondern erwarte zum einen ganz einfach, daß sie bekannt sind. Damit das funktioniert, muß ich sie natürlich vereinfachen, verändern und damit mich. Auf so einfache Dinge wie Geld, Auto, Haus, Frau, Kinder, Mann, alles schön messbar und von anderen leicht zu verstehen. Ich rede hier nicht über die Art und Weise, wie unsere Wirtschaft funktoniert, sondern darüber, wie wir uns anderen mitteilen, jede/r einzelne für sich.

Denn deswegen verschwindet das Herzvolle, das Fühlen, das Innere aus uns und unserer Umgebung:

es ist nicht mehr konform, sich mitzuteilen, es ist auch nicht mehr konform, zuzuhören.
Man überfüllt den anderen mit den eigenen oberflächlichen Dingen, jeder kämpft um Aufmerksamkeit für die falschen Dinge.

Was interessiert mich denn das Innenleben des Gegenübers, ich hab doch schon genug Probleme mit meinem eigenen Innendrin. Ich weiß immer ganz genau, was ich nicht will, aber nicht, was ich will. Ich lasse mich entscheiden: durch Nichtstun lasse ich eine Situation entstehen, die mich dann bestimmt. Heutzutage finden wenige liebevollen Entscheidungen in Deutschland statt. Ich sehe keine einzige Entscheidung (politisch, wirtschaftlich, sozial, privat) *für* etwas – aus Liebe, sondern umso mehr Entscheidungen gegen den gerade aktuellen, modernen, aufgedeckten, medial aufgefurzten angeblichen Mißstand – aus Angst.

Fazit:

Nichts, absolut gar nix, an unserer Gesellschaft ist vorteilslos.

Andersrum: Alles (sei es Zustand oder Entscheidung) passiert, weil irgendjemand einen Nutzen davon hat. Was Ihr (nicht die Jugend, neinnein, Ihr 40 Jährigen, Ihr Machthebelzieher) Moral oder Ethik nennt, sind nur weitere öffentliche Vereinbarungen, genauso flexibel und veränderlich wie Börsenkurse. Und an dieser moralischen Börse steht ja im Augenblick genau das Füreinander im Vordergrund: DAS untrügliche Signal für sein
Nichtvorhandensein ist. Das gerade knappe Moralprodukt wird immer laut und ausdauernd besungen, wie in einem drittklassigen Voodoofilm (oder eben Heuschrecken).

Geopfert werden die Hühner des vergangenen Jahrzents – und immer wieder die Generation der Kinder, die die gerade aktuelle Wertemode eingetrichert bekommt und verinnerlicht, da sie ja schön positiv lobverstärkt wird.

Also:
Nicht beschweren, sondern ändern.

Wie immer: zuerst sich selbst und damit & dann die anderen/jungen Menschen.

Was?

Nun, das was sich zu erhalten lohnt – Deine Entscheidung!

Und wenn ich irgendjemanden noch einmal dabei erwische, daß sie/er sich über andere beschwert, gibt’s einen Arschtritt, um Dich in Bewegung zu setzen.

Ich tret mir jetzt ersma selber inn’ Arsch und geh’ zu dem Tisch gegenüber und beginne, diese Schickfressen herauszufordern…

PS: nach dem hermetischen Prinzip gelten natürlich alle obigen Aussagen auch reflektiv: ich spreche die ganze Zeit (auch) über mich selbst. Denkt in Zukunft mal daran, wenn Ihr über andere sprecht:-)

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Volker