Menschenmuster Egoismus

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Mit einigen habe ich im Laufe der Jahr schon darüber gesprochen ((zuvor habe ich das Thema ‘Menschenregeln’ genannt)), was der kleinste gemeinsame Nenner aller Menschen sein kann.
Insbesondere interessiert mich die Motivation, das ‘Warum’ der Dinge, die die Menschen so tun.

Jeder Mensch handelt, um seine eigene Welt besser zu machen

Es gibt schon seit mehr als 100 Jahren die Idee des Ethischen Egoismus, der den herkömmlichen Egoismus entwertet, ihn ohne Bewertung betrachtet: ob eine Handlung gut oder schlecht (von anderen) bewertet wird, hat nichts mit der inneren Motivation im Handelnden zu tun.

Wenn ich mit jemanden über dieses Menschemuster rede, frage ich immer nach Gegenbeispielen, die ich bis hier und heute noch nicht bekommen habe ((Nebengedanke: was passiert denn, wenn man diese Frage stellt? Die Antwort darauf zu geben, ist doch auch eine menschliche Handlung, ist also nach obigem Menschenmuster auch egoistisch 🙂 )).

Was meine Formulierung von der des homo oeconomicus unterscheidet, ist die Formulierung seine eigene Welt besser machen. Ich gehe nicht von einem ausschließlich rational handelnden Menschen aus, sondern sehe die Gefühle als bestimmender an ((Sonst würde das Modell des homo oeconmicus viel besser funktionieren:-) )). Deswegen ist die Welt für einen Handelnden einfach besser, was die Gefühle in die Entscheidung einschließt.

Der zweite relevante Teil ist der Begriff eigene Welt. Denn wir machen unsere Welt selber und unabhängig von äußerer Objektivität. Da wir auch andere Menschen & Dinge in unsere eigene Welt mit einschließen, ist für mich eine altruistische Handlung ebenso egoistisch begründet.

Beide Begriffe zusammen bedeuten für mich also:

  • Die Motivation für jedwede menschliche Handlung liegt ausschließlich im Handelnden
  • Jede Handlung kann also nach dem Eigennutzen des Handelnden hinterfragt werden

Warum hast Du das getan?

Gerade der zweite Punkt der oberen Liste zieht eine interessante Schlussfolgerung nach sich.

Wer seine Handlungen außerhalb von sich begründet, lügt oder unterschlägt zumindest seine eigene Motivation

Vielleicht nicht absichtlich, und vielleicht nicht bewusst. Und in vielen Fällen will ich ja gar nicht meine Motivationen offenlegen. Nichts desto trotz hinterlässt eine solche Art der Begründung (bzw. deren Unterschlagung) ein schales Gefühl im Zuhörer ((in vielen Fällen fühle ich dies wiederum auch nur unbewusst)).

Natürlich kann man sich entspannt zurücklegen und einfach sagen: “ich fühl mich besser”. Dann unterschlägt man jedoch immer noch etwas, nämlich die Beschreibung der eigenen Welt. Erst, wenn ich sowohl offen meine innere Motivation zugebe und auch erläutere, wie meine Welt funktioniert, was ich mir von der Handlung verspreche, erst dann bin ich – im Kontext dieses Menschenmusters – ehrlich und authentisch.

Anwendungen und Gegenindikationen

Es ist vielleicht nicht sehr sinnvoll, mit diesem Menschensatz ausgerüstet loszurennen und jedem ins Gesicht zu werfen, daß sie/er lügt ((und was wäre denn Deine Motivation für diese ‘Vorwurfshandlung’?)). In bestimmten Situationen ist es sogar unerwünscht und zieht für den Fragenden/Zweifelnden unangenehme Konsequenzen nach sich. Im beruflichen Umfeld ist es sogar verpönt, solche privaten Fragen zu stellen.
Es gibt aber einige aufschlussreiche Situationen, in denen man (abgesehen von der eigenen Gefühlslage) einen anderen Menschen im Kontext dieses Menschenmusters zu hinterfragen:

  • Öffentiche Personen
    zum Beispiel Politiker, Journalisten, Autoren
  • Mein Gegenüber im Konflikt
    indem ich mich selber anhand des Menschenmusters erkläre ((und wer hat bei dem Wort Konflikt nicht zuerst gedacht: “doll, jetzt hab ich endlich mal ne gute Frage, um zu ‘gewinnen’))
  • In der eigenen Krise
    wenn ich die Frage ‘Warum?’ falsch behandelt habe.