Rasender RDUC Bericht Nr. 1: die Anreise

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Geschichten aus den USA, Juli 2004, Teil 1/5

Sonntag:

Hallöchen!

Ist ja schon doll, diese Einreise in die Staaten.

Man bekommt ein völlig neues Verhältnis zum Schlangestehen:

Nach der Schlange aus dem Flugzeug raus kommt die Schlange bei der Einreise, in der man heutzutage auch den freundliche Beagle der Zollbehörde seine Gepäckstücke beschnüffeln lassen darf.

Zum Glück hat er bei mir kein Obst, Fleisch oder sonstwelche Lebensmittel gefunden. Die dritte Schlange ist dann die beim Wiedereinchecken des Gepäcks. …Nachdem man eine halbe Stunde auf das obligatorische Einreisegepräch gewartet hat:

Zoll: “Was ist der Grund Ihrer Einreise?”

“Ich habe keinen Grund, ich muss halt.”

Zoll: “Wo werden Sie während Ihres Aufenthalts wohnen?”

“Irgend so’n schwules Hotel, … Gaylordirgendwas in Texas”

Die längste Zeit dauerte diesmal das Stempeln. Pro Einreisenden gibt’s sage und schreibe fünf Stempel. Die ganze Halle hallt vom Krrk-Krrk-Klatsch-Krrk-Krrk wieder.

Ich mein’, schon der Fragebogen im Flugzeug ist klasse:
“Kreuzen Sie bitte irgendwo ‘Ja’ an, wenn Sie garantiert nicht einreisen wollen” Steht so drauf.

Wirklich.

Und die Fragen:

z.B. “Sind Sie schonmal mehr als fünf Jahre eingesessen?”

Als ob das ein Vergleich wäre… Die Tat, die ein Strafmass von fünf Jahren in in Deutschland nach sich zieht wird in den Staaten wahrscheinlich eine andere Einsitzzeit haben…

Oder:

“Planen Sie eine Straftat in den Vereinigten Staaten?”

Klasse! Was hoffen die? Dass mein Unterbewusstsein mich dazu zwingt, ‘Ja’ anzukreuzen? Ich habe meinen Sitznachbarn beobachtet: Sein Kugelschreiber hat merklich gezittert, er musste beide Hände nehmen um doch noch ‘Nein’ anzukreuzen (puuh! knapp vorbei!).

Zurück zur Schlange Nr. 3
(Extreme-Gepäck-Wieder-Aufgeben).

Diese dient wahrscheinlich dazu, dass irgendwelche Haftungsauschlüsse geltend gemacht werden können, wenn das Gepäckstück verloren gehn sollte.

“Sie haben’s doch selbst wieder eingecheckt, da können wir nix dafür, wenn’s nach Hawaii geflogen wurde. Wie bitte…? Nein, es besteht leider keine Möglichkeit, den Passagier anstelle des Gepäcks nachzuliefern.”

Die vierte Schlange ist das Screening.

Die Werbung auf den Bildschirmen ist Klasse, speziell die der Einwanderungsbehörde. Ich stelle mir vor, wie das in Deutschland aussehen würde:

“BGS – Wir sind zum Reinkommen da: Begrüßen, Gängeln, Schleifen”

Bevor Sie in unserem schönen Land rumfliegen dürfen, machen Sie sich bitte mit den Untersuchungsmethoden vertraut. Es ist ganz leicht, drei einfache Schritte!

1. IN

Packen Sie alle Kleinigkeiten in Ihre schon überfüllte Tasche.

2. OUT

Nachdem Sie alles reingestopft haben, kramen Sie bitte Ihren Laptop wieder vom Boden der Tasche hervor und legen Sie ihn in einer der bereitstehenden Kisten.

3. OFF

Ziehen Sie bitte Ihre Jacke oder Ihren Mantel aus.

Achja, aufgrund der sexuell nicht ausgelasteten Mitarbeiter im Sicherheitspersonal ziehen Sie bitte auch noch die folgenden Sachen aus:

  • Ihre Schuhe
  • Ihre Zahnplomben
  • Ihre(n) Gürtel
  • Alle anderen undurchsichtigen Kleidungsstücke

Ganz einfach also.

Nachdem ich hosehaltend und fußfrierend (die Klimaanlagen sind immer noch nicht in der Lage, Temperaturen höher als 15 °C zu erzeugen) durch den Metalldetektor gestolpert bin, durfte ich das erste Mal selber Grund einer Schlange sein (ich war schon immer der langsamste beim Anziehen…).

Die letze Schlange war dann die beim Einstieg zum Weiterflug nach Dallas.

Moment… Ich habe die Check-In-Schlange im Hotel vergessen.

Habe ich Hotel gesagt? Naja, leicht untertrieben….

Man nehme circa 1000 Zimmer und sortiere sie um ein 1 km² Atrium herum.

Das ganze wird dann mit einem Glasdeckel luftdicht abgeschlossen und auf 13° C heruntergekühlt (bei einer Aussentemperatur von 30+).

Soweit, so gut. Ich bin also hier und hoffe, dass ich mir wegen der Klimanlage keine Erkältung einhandele (habe natürlich wie immer die Wintersachen vergessen…).

Nun werde ich mich zur Registrierung begeben (Schlange Nummer acht) und offenen Auges die Vorteile der modernen Kultur in Texas geniessen:

hier ist nämlich alles (etwas) größer, sozusagen das Bayern der Vereingten Staaten. Eine Bekannte aus dem Verlagsgeschäft erzählt, daß jedes Buch in den Staaten eine extra Texas-Ausgabe hat, die immer 10% mehr Seiten enthalten muss (meistens durch eine größere Schrift:-).

Die Essensportionen sind’s auf jeden Fall:
das Entree gestern abend geht selbst in Bayern als doppelte Hauptportion durch.

Bis zum nächsten Frontbericht (also in ca. 2 kg Gewichtszunahme)!

Liebe Grüße,

Volker