Rasender RDUC Bericht Nr. 2: der Anfang

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Geschichten aus den USA, Juli 2004, Teil 2/5

Montag:

Hallöchen!

Es heisst ja: Am Anfang das Ende im Sinn haben.

Fazit des ersten Tages:

  • ca 20 Meetings mit Kollegen – mal auf dem Gang, mal in der Pause und auch ein paarmal offiziell mit Kunden
  • Drei Präsentationen, davon keine überragend (schlechte Themenwahl, wahrscheinlich?)
  • die neuen Bits gesehen, kommt geil! Da werde ich noch weiter bohren

Unter diesem Aspekt war auch heute die erste KeyNote sehr interessant.

Hier die Kurzfassung:

  1. Ein hübsches Mädel turnt im engen Body vor 2000 Leuten am Seil
  2. Roger Oberg zählt Java Gesichter in Filmen
  3. Mike erzählt von Software
  4. Lee erzählt nicht, sondern zeigt Tools
  5. Buell erzählt auch was
  6. Die Musik war echt gut

Was davon im Gedächtnis bleibt, hängt sicherlich von mentalen Vorbereitung des einzelnen ab. In meinem Falle konkurriert das Kurzzeitgedächtnis an diesem Morgen noch mit einigen Bieren und irgendeinem ‘Shot’vom gestrigen Abend, den ich von einem amerikanischem
Kollegen aufgedrängt bekam. (Memo an mich: nicht mehr auf irgendwelche Dreibänder beim Pool wetten).

Es gibt natürlich auch positive Memorabilitäten der ersten Keynote!

[philosophische Seitennotiz:
Keynote …. Schlüsselnotiz … also ein Schlüssel … für was? Welches Tor soll damit aufgeschlossen werden? Was liegt dahinter? Wer will da durch? Hach! Wie leicht man bei genauer Beobachtung im Wald an Bäume laufen kann…]

Zum einen das Motto: ‘Software Runs the World’.

Mike hat es schön einfach gesagt: “Nimm die Software weg, dann siehst Du wie wichtig sie ist.” Meiner Meinung nach eine Aussage in die richtige Richtung, aber ganz und gar nicht weit genug.

Mir wäre ja lieber gewesen, wenn während der Demo die gesamte Software im Saal ausgeschaltet werden würde, damit die Leut’ endlich mal am eigenen Leib erfahren, wie und wo sie eine Rolle spielt.

Und natürlich DER Kracher: ein Obermotz traut sich ans Tool.

Ich kann’s – auch wenn ich Lee schon zum dritten Mal mit den Fingern am Tool erwischt habe – immer noch nicht glauben!

Stellt sich frech hin, setzt sich einen Entwicklerhut auf (Käppi mit Propeller) und passt die Registrierungswebsite an.
Setzt sich danach ‘nen gelben Bauhelm auf und testet das Ganze….

Mit allem drum und dran: schlechte Performance beim ersten Mal (Eben! Da sag noch jemand, das IT sich nicht am Sex orientieren würde) inklusive warten, dass was passiert. Er hat dabei ganz genauso geschwitzt wie wir einfachen Techies. Und was passiert?

Das Tool macht natürlich erstmal nix (er sagte noch irgendwas von “Does whatever it does”), ein, zwei Scherzchen und Erklärungen und dann gingen ihm im die Wörter aus…

Natürlich hat’s dann funktioniert.

Und ebenso natürlich bekommt ER dann einen Szenenapplaus: inklusive einem allgemeinen Aufzeufzer mit integriertem Lacher! Das nächste Mal, wenn ich auf’s Tool warte, werde ich dem Publikum einheitzen und wehe, die klatschen nicht!

Wen’s interessiert: das Tooling macht wirklich was her, konnte aber nicht mit der Dame am Seil konkurrieren. Eine Website im bunt gepunkteten, knallengen, weißen Body macht lange nicht so an…

Danach ging’s dann nahtlos über in die übliche Konferenzhektik:

Hin- und Hergerenne, Räume suchen, wo ist denn der Kaffee und wo sind denn die Kollegen. Wenigstens stilvoll: die ungefähre Anzahl von Cowboystiefeln und Hüten im Convention Center beläuft sich auf ca. 20.000 – auf dem Teppichboden. Texas weiss eben, wo seine Wurzeln sind. Diese Dinge findet man überall in den veschiedensten Ausprägungen:

Auf Bildern, an, neben und auf Rindern und: auf dem Kopf von Terry Quatrani.

Sie hatte gestern bei der Willkommensveranstaltung einen Texas Hut mit ca. 2 qm
Grundfläche auf. Eine Schlagzeile darauf war: “Never mess with Texas!”.

Weitere Details:

  • Farbe: knallrot
  • Kosten: billig
  • Lieferung: schwierig (musste extra geliefert werden, das Ding passt in keinen Koffer)
  • Blickfangquotient: unbezahlbar
  • Und nein: ich werde so’n Ding nicht tragen.

Apropo Wurzeln: die sind in Amerika zwar nicht so (zeitlich) tief wie bei uns, dafür aber für’s einfache Gemüt besser nachvollziehbar.

Oder hat sich schonmal jemand darüber Gedanken gemacht, welche guten Dinge wir Lederhosen, Kuckucksuhren oder der Steinkohle verdanken?

Naja, die Kohle ist ja ganz gut (einen Pfennig), aber wie soll man sowas ohne Depressions-Gefahr auf einem Teppich oder Bild darstellen?

Schwarze Kohlen auf weissem Grund? Und bringt das heute noch dieselbe?

So sieht’s also aus: auf der einen Seite wir in D mit der vielschichtigen Geschichte, die jedoch für keinen mehr so richtig nachvollziehbar ist, dort die USAler, die sich nicht mit so viel historischer Masse herumschlagen müssen und ausserdem gar kein Bock auf kompliziert haben:

Frage an einen Deutschen: Was ist Bayern?

Antwort:
Vordergründig Lederhosen und Bier, in Realität aber ein Land, das aufgrund seiner vielschichtigen (sic!) Geschichte (doppel-sic!) in der Lage war(?), sich zu einem neuzeitlichen Industriestaat zu entwickeln, mit jeder Menge High-Tech und Innovation … (die nächsten drei Seiten lasse ich weg)

Frage an einen Ami: Was ist Texas?
Antwort:
Cowboys! Yiiiha! Alles andere folgt daraus. Punkt.

(was dann auch ein ganz guter Schluss für diesen Bericht ist)

Liebe Grüße,

Volker