Rasender RDUC Bericht Nr. 3 – Der Alltag

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Geschichten aus den USA, Juli 2004, Teil 3/5

Dienstag :

Hallöchen!

Tjaja, das alltägliche. Zum Beispiel das Aufstehen.

Ober in meinem Fall insbesondere das rechtzeitige Aufstehen!

So, ich will also um 8:00 Uhr bei der Keynote von Grady Booch sein, deswegen stelle ich gestern abend den Wecker auf 7:00 Uhr. Und meinen mit Alarmfunktion gesegneten iPod auf 6:50 … Audioslave kommt da ganz gut.

Dies kam dabei raus:

  • 6:50:00 Audioslave startet munter singend in den Morgen
  • 6:57:00 ich noch nicht
  • 7:00:00 der Wecker ringt sich ‘nen Wolf
  • 7:02:00 Nachdem ich ca. eine Minute stirnrunzelnd mit dem vibierenden Wecker in meiner Hand neben dem Bett stehe, stelle ich ihn auf 7:15
  • 7:02:01 Audioslave (sog. NuMetal) singt mich in den wohlverdienten Zweitschlaf
  • 7:02:02 Ich schlafe (das geht wirklich so schnell!)
  • 7:15:00 Zweiter Auftritt des Weckers
  • 7:17:00 Der Wecker gibt software- und timertechnisch auf
  • 7:30:00 mit einem leichten Lächeln (Party gestern), komischem Geschmack im Mund
    (Corona) wache ich auf – vor allem aufgrund eines dringenden Bedürfnisses nach
    Flüssigkeitsentsorgung (habe ich Corona schon erwähnt?)
  • 7:45:00 Alles erledigt: Zähne, Achseln, Ohren, den Schritt und alles andere geputzt. Nur noch anzieh’n.
  • 7:46:00 Audislave ist fertig. Was hör ich denn zum Anziehn? U2? Guuuute Idee!! Dann kann ich ja noch kurz mal emails checken!
  • 8:05:00 Ein kurzer Blick auf die Uhr, und los geht’s!
  • 8:06:00 Durch die stärkere Klimaanlage im Flur stelle ich fest, dass der Rucksack – obwohl mit wärmenden Laptop gefüllt – im Schritt längst nicht so gut wärmt wie normale Kleidung.
  • 8:10:00 Endlich angezogen trabe ich los.
  • 8:20:00 Ehrfürchtig lausche ich der Rede von Grady Booch

Für die wenigen, die ihn nicht kennen: der Typ ist in der Branche sowas wie Leonardo da Vinci. Alle lieben ihn und keiner weiss genau was er tut (ja, stimmt: er schreibt Bücher!).

Falls die Frage aufkommt: wo sind die 10 Minuten zwischen ‘Los’ und ‘Lauschen’ verbraten worden?

Eine Eigenart amerikanischer Hotels ist … ?

Jawoll: ihre Größe!

Und ganz speziell in Texas! So entspricht die Länge meiner Wegstrecke leider nicht im geringsten der ganz komfortablen Länge der Luftstrecke zwischen meinem Zimmer und dem Konferenzhäuserl (ca. 100 m), sondern ungefähr zwei (2) Kilometer.

Bevorzugte Umleitungstrategien orientieren sich hierzulande an möglichen Komsumorten (Shops) und unterliegen logischerweise auch der landesüblichen strikten Anforderung hermetischer Abgeschlossenheit (damit die Klimaanlage wenigstens etwas Sinn macht). Man kommt zwar überall hin, aber nur gut gekühlt und immer an irgendwelchen
Boutiquen entlang.

Nicht, dass ich deswegen zu spät kam. Ich habe schon am ersten Tag die Abkürzung via Notausgang entdeckt, die mir all dies erspart. Die Strecke ist sogar so kurz, dass ich noch locker einen Kaffee und eine Zigarette einschmeissen kann und im Vergleich immer noch schneller bin. 2km = 11 Minuten Verspätung. Abkürzung mit KK = 10 Minuten. Macht eine
Minute Gewinn!!

Wir können halt rechnen, wir IT-Männer!

An diesem paradoxen Umweg (für Amis wäre das wahrscheinlich einer) ist noch ein anderer Aspekt interessant. Man sollte immer mal ab und zu die Notwege gehen, da sieht man wesentlich interessantere Aspekte des Landes. Zum Beispiel werde ich auf dem obigen Weg an einer Aussentreppe jeden Morgen der Gefahr einer Verwehung durch die kontinuierlich mit 3 Windstärken blasenden Abluft ausgesetzt.

Und in Texas gibt es wirklich etliches größeres: so bin ich fast über eine – zum
Glück tote – Fliege gestolpert.
Ja: gestolpert! Circa daumengroß, mit Flügeln hängt sie auf meiner Handfläche über.
Apropo andere Wege: eine nette Werbung ist mir auf der Herrentoilette aufgefallen: der Hersteller der – wie heissen die Dinger denn politisch korrekt? – ähm, … Stehschüsseln schreibt da doch voller Stolz drauf: “1.0 gallons / 3.8 liters per flush!”. Und wir
experiementieren daheim auf Kosten der nasalen Gesundheit mit wasserlosen
Lösungen…. Viva Texas!

Was die nebenbei erwähnte Rede von Grady betrifft: davon werde ich dann morgen in der Schlüsselnotizenzusammenfassung (ich liebe mein Land! Und meine Sprache erst recht! Freie Zusammensetzung für alle Substantive… unbezahlbar!) berichten. Jetzt werde ich meinen Wecker (er guckt schon so misstrauisch) und meinen iPod stellen. Musik wird sein… Moment … Dredg (El Cielo).

Liebe Grüße & Gute Nacht:-)
Volker