Rasender RDUC Bericht Nr. 4 – Die Ranch & die Filme

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Geschichten aus den USA, Juli 2004, Teil 4/5

Mittwoch:

Hallöchen!

ICH war NICHT da. Auf der Ranch. Bei den Riflemen, Steaks und Armadillorennen im Coutrymusik-umsäuselten Rundgang um die Levis-Tische.

Ich will ja nicht ungefähr unfair sein – gesehen habe ich rein gar nix davon, die ‘Werbung’ für den Special Event hat mir schon gereicht, um das Risiko einer Texasüberdosis zu vermeiden. Oups, jetzt war ich schon wieder vorverurteilend.

Sorry, Texas!

Einschubzitat eines amerikanischen Kollegen:

“There’s not much difference between Bavaria and Texas. Only that the Bavarians drink themselves to unconsciousness during the Oktoberfest, while the Texans get themselves shitfaced every day” – Sollte ich vielleicht doch umziehen?

Neuer Anlauf:

Der wahre Grund, warum ich nicht auf der Ranch am Saufen bin und ein bisserl angefressen, liegt wie immer bei der Arbeit.

Ein weiterer Grund scheint meine animalische Anziehungskraft auf amerikanische Frauen zu sein.

Als Mann hat man’s eben einfach: egal, wie sie aussieht, Dein Stolz (sprich das Ding da unten) reagiert manchmal völlig unreflektiert und es braucht immer eine Weile, bis die Notbremssignale vom Kopf nach unten gesickert sind. Das muss ich jetzt erst einmal aufarbeiten, also heiss’ ich Euch alle willkommen als Email-Therapeuten! Nehmt Platz, lest
aufmerksam mit und sagt ab und zu “Aha”, “Ja…?” oder “Ich verstehe”.

Danke!

Der Frustration erster Teil:

Gestern abend sass ich in der einzig verfügbaren Raucherbar und habe selbstvergessen an meinem Frontbericht gearbeitet. Quatscht mich auf einmal eine junge Dame durch einen oralen Sprühregen an.

Ein kurzer Blick erklärte recht schnell die Ursache der äußerlichen Bewässerung: der Durchmesser der Pupillen war umgekehrt proportional zum Promillegrad des Mädels. Ich konnte nur noch rechtzeitig mein Buch zuklappen, bevor sich durch einen benachbarten –
gleichfalls promillisierten – Nachbar mein Bier zu Ihrer Befeuchtung …äh Belustigung auf der Bar und meinem Buch (und über meine Hose) verteilte.

Gleiches zieht gleiches an.

Das verbliebene halbe und das von ihm spendierte weitere Bier halfen mir dann über die folgende halbe Stunde, in der ich den Begiff ‘feisty’ erklärt bekam. Hat nichts mit ‘feist’ zu tun, das war dann eher die zweite Dame, die schon zwei Abende zuvor laut- und leutselig
Ihrer Begeisterung ob meines angeblich knackigen Arsches kundtat und rechtzeitig nach dem letzten Tropfen Bier rettenderweise auf mich zutorkelt kam, denn darauf erfolgte der mich erleichternde Abgang der Literaturstudentin.

(Die übrigens heutzutage Analystengespräche mit Analysten analysiert)

Dame Nr. Zwei versuchte nun verzweifelt, Ihre Hand zwischem dem Barhocker und meinem ‘nice tight ass’ unterzubringen. War es Ihre Lebenserfahrung oder mein Glück? Egal: es dauerte nur 10 Minuten peinlichens Grinsens meinerseits, um diese Episode zu beenden.

… Und das Hämatom ersten Grades an meinem Allerwertesten zu vermeiden.

Achja, irgendwann zwischendurch hat auch eine Kollegin ein bisserl an mir rumgefummelt (Ich sage nicht, wer, man behält sowas besser für sich). Das beschränkte sich aber nur auf Rückenkraulen – und etwas Margherita, den sie dabei gleich mit verschenkte.

Also, ich mein’, das ist doch, also wirklich!
Ich werde mich in Zukunft zurückhalten, bei verringertem Blutgehalt wildfremde Frauen anzusprechen, nachdem ich durch diesen Spiegel gehen durfte! Herr im Himmel, ich danke Dir für diese Erfahrung!

Find’s aber trotzdem Scheisse.

Zum einen bin ich ja zur Zeit nicht gebunden, doch ist die Wahrscheinlichkeit eines Kunden- oder Kollegenintikontakts in diesem texanischen Klimaghetto zu hoch. Und doch gibt’s einen angenehm(?) hohen Anteil an Augenweiden (aber die trinken nicht und sprechen mich folglicherweise auch nicht an). Da kann mann und will mann aber
kann mann doch nicht… frustrierend!

An dieser Stelle möchte ich mich also bei allen Frauen entschuldigen!

(Inklusive jener, die ich erst noch ansprechen werde) Ich habe ja nix gegen eine tägliche Blamage, aber dann bitte bei vollem Bewusstsein! Sorry, Mädelz!

Irgendwo da oben habe ich ja schon kurz von Arbeit gesprochen, nun also:

Der Frustration zweiter Teil:

Man kann ja über Political Correctness sagen was man will: eine bessere mentale Dehnungsübung gibt’s nicht! Diese Weichheit! Diese Flexibilität!

Ein Volk von Diplomaten! Jede und jeder (ausser den Besoffenen, die ich in Bars kennenlerne) kann unglaublich eloquent nichts sagen (die Besoffenen sind direkt aber nicht eloquent).

Oder die Königsdisziplin:

eine dreiviertel Stunde etwas Nichssagendes zehnmal wiederholen, und exakt die Kernaussage auslassen. Beipiel gefällig?

Würd’ ich ja gern! Wirklich! Aber

ich (nicht lachen!!!)

kann (Achtung! Jetzt kommt’s!)

!!!::NICHT::!!!

so rumschwadronieren wie die Anmerikaner.

Warum?

Es gibt da den kleinen, aber feinen folgenden Unterschied.

Volker Textmodus: eine Selbstanalyse

Einfach gesagt: ich texte los, ohne dass ich gefragt werde.

Nach einigen Jahren kann ich sogar die Signale einer Überforderung meines Gegenübers erkennen, wie zum Beispiel leere Blicke, Weglaufen oder lautes Schreien.

Ich arbeite noch an der Verfeinerung meiner Wahrnehmung aber erwartet bitte keine Wunder.

Amerikanischer Texmodus: eine externe Analyse

Unbedingte Voraussetzung ist hier eine initiierende Frage, wie zum Beispiel “Können Sie mir bitte die genaue Uhrzeit sagen?”.

Was darauf folgt, ist ein – wahrscheinlich aufgrund der alltäglichen Erfahrungen mit Anwälten – Angriff im Stil der sogenannten ‘Rhethorischen Kriegsführung’.

In manchen Fällen wird er von einer schnellen, ansatzlosen, aggressiven, typisch amerikanischen Initialisierungsfrage eingeleitet:

“How are you!?”

Erklärt wird der Krieg dann spätestens durch die Wiederholung meiner ursprünglichen Frage:

“Sie wollen wissen wie spät es ist?”
Nachdem so der ‘Battleground’ vorbereitet wurde, wird mir nach schnell aufeinander folgender Verabreichung von Einzelkurzsätzen meine Niederlage bewusst (gemacht). Ich kann ich mich zwar der Eleganz einer solchen Kriegsführung nicht entziehen, jedoch keine Antwort zu kriegen kann sich negativ auf den emotionalen Haushalt auswirken!

“Sie wollen bestimmt gerne die lokale Zeit wissen, oder? Aber da ich nicht aus diesem Bundesstaat bin, möchte ich der lokalen Authorität nicht vorgreifen. Ich bin sicher, es gibt eine Möglichkeit. Aber wie gesagt, ich kenne mich hier nicht aus, es ist ja auch nicht eigentlich meine Aufgabe, diese Zeit hier in diesem Bundesstaat zu verwalten. Was ich
Ihnen aber sagen kann: Wir sind kontinuierlich mit der Zeit – auch hier – beschäftigt, und wir planen, Sie Ihnen im Laufe des Jahres zu sagen….

Dieses oder nächstes Jahr? Ach, das tut mir leid, aber der Verlauf der Zeit in diesem Bundesstaat unterliegt strengster Geheimhaltung.

Sie wissen doch, die Konkurrenz von der Quantenphysik!”

Gerne wird dabei auch ein vertrauenheischendes Seufzen im Sinne von ‘Ich würd’ ja gern, kann aber nicht. Hab Mitleid!’ eingesetzt.

Und von der Art hatte ich in den vergangenen Tagen einige Niederlagen zu erleiden. Naja, einige Erfolge hatte ich auch, das sind dann die typischen Gerüchte. Aber selbst da schaffen die das manchmal analog zu oben:

“Ich habe gehört dass es irgendwo gerade drei Uhr ist! Was hälst Du davon?”

Nur falls sich jemand Sorgen macht: Ich hab’s auch ein paar Mal geschafft!

Das Erfolgserlebins, einen amerikanischen Menschen bei einer konkreten Aussage zu erwischen, macht echt Lust auf mehr!!
Geile Sache!

Zu Fragen und Nebenwirkungen wendet Euch an den Texter Eures Vertrauens oder sprecht mit Eurem Teddybär… da gewinnt Ihr immer!

Zurück zu:

feisty = lebhaft, munter.

Das ist nicht das, was sie erklärt hatte…

Bis Morgen, da gibt’s dann das Ende.

Liebe Grüße,

Volker